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Wilde Blumen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                           Andreas Pascher

 

 

          Da saß ich doch unlängst in einem Biergarten mit einer alten Frau zusammen an einem Tisch.

Weißhaarig, mager, etwas zusammengekrümmt und schweigsam saß sie da - und schien ins Leere zu schauen.

Plötzlich sagte sie:
"Mit den Spannungen ist das so eine Sache! - Sie sind wie manche wilden Blumen. Erst sind sie schön - dann beginnen sie zu wuchern - 
und am Schluss bedrängen und
verdrängen sie nach und nach alles andere."

Jetzt war ich aufmerksam geworden - und neugierig.
Ich schaute sie fragend an. Doch sie schien mich gar nicht zu bemerken. Und so fragte ich nach einer Weile des Zögerns: "Was meinen Sie mit Spannungen?"

Ihre hellen, wässerigen und halb in den Runzeln verschwindenden Augen richteten sich auf mich.
"Den zusammengezwickten Po zum Beispiel, oder die zusammengebissenen Zähne, die zusammengepressten Lippen, die zusammengezogene Stirne, die geballten Fäuste, die hochgezogenen und angespannten Schultern, die Schmerzen, das Leid, all die Krankheiten - - - !"

"Nun, nun!", sagte ich. "Nun übertreiben Sie mal nicht! Was sollen denn Schmerzen, Leid und Krankheiten mit Spannungen zu tun haben!? - Die Wissenschaft sagt: - "

"Die Wissenschaft!", zischte die Alte verächtlich. "Die Wissenschaft ist selbst auch so eine Wilde Blume! - Schön und verführerisch - und wenn man nicht aufpasst, tückisch und tödlich!"

Was sollte ich da noch sagen? - Ich dachte mir: "Törichte Alte - da rieselt auch schon der Kalk!" - und schwieg.

Gerade wollte ich aufstehen, um zu gehen, da fuhr sie fort: "Wenn du es möchtest -", eigentlich eine Frechheit - sie sagte einfach 'Du' zu mir, "erzähle ich dir dazu eine kleine Geschichte."

Etwas zögernd und verhalten nickte ich und sagte dann:
"Bitte schön. - Ich höre!"

Mit leiser, klarer und eindringlicher Stimme begann sie zu erzählen:
" Da lebt ein Mensch! -
Er wohnt in seinem Haus - mitten in einer wunderschönen Landschaft. Wiesen sind rund herum, mit duftenden Blumen. Blühende Büsche zeigen sich als bunte Farbkleckse - und in der Ferne sind immer mehr hohe, mächtige Bäume zu sehen, ausladend, verschieden in der Form ihrer Baumkronen und in der Farbe des Laubes, die sich allmählich zu einem Wald verdichten. -
Auch verschiedene Geräusche sind zu hören - ringsherum - Zwitschern, Zirpen, Muhen, Meckern, Gackern, Lachen und Reden, das Plätschern einer Quelle. - Ein leiser Hauch des Windes streicht um das Haus, beladen mit dem Geruch offenen Holzfeuers. - Leben!

Eines Tages hat dieser Mensch einen alten, verrosteten Eimer übrig. Er kann nichts mehr damit anfangen. - Er verspürt aber auch wenig Lust, sich wegen seiner Beseitigung viele Gedanken und Mühe zu machen. - So trägt er ihn einfach hinaus auf die Wiese und setzt, damit er nicht gar so übel aussehe, ein paar Geranien hinein. So sind Rost, Löcher und das Schäbige ein bisschen verdeckt. Das geht gut - und ist einfach so! - Braucht ganz wenig Anstrengung! -

Einmal getan - und gut gegangen. - Warum nicht auch ein zweitesmal? - Das sagt sich der Mensch, als er einen alten Kanister mit giftigem Spritzmittel loswerden will. - Geht hinaus, drückt ihn neben dem Kübel in die Erde und deckt ihn mit den weit ausladenden Geranien ein bisschen zu.

Und der Wind weht Erdstaub an - und Samenkörner verschiedenster Pflanzen.
Schon bald wuchert zwischen Eimer und Kanister - und auch außen herum - hohes Gras. Sogar ein kleiner Busch hat sich angesiedelt.
Schnell - einfach - und man sieht den Schrott und den Müll schon gar nicht mehr! -

Und der Mensch trägt weiter - nach und nach - Abfall hinaus: Alte Reifen, Dosen und Farben, restliche Medikamente, Batterien und Abfallstoffe, gießt altes Öl dort aus - und freut sich, dass es so einfach ist, dieses Zeug loszuwerden.

Ganz schnell bedeckt es sich mit Erde, Pflanzen und Gras - und verschwindet so unter einem grünen Mantel, ist nicht mehr störend zu sehen. -
Ein kleiner Berg entsteht so in der Landschaft. - 

"Wie schön", denkt sich der Mensch, "ein bisschen zusätzliche Abwechslung"!

So geht das viele, viele Jahre - vielleicht auch Jahrzehnte - und der Mensch kennt es nicht mehr anders, weiß auch nicht mehr, dass es andere Möglichkeiten der Müllbeseitigung gibt, macht sich dazu auch keine Gedanken. -

Bis er eines Tages krank wird.

Wieso denn eigentlich? - Er ist doch vorher nie krank gewesen. - Lebt in einer so unverfälschten und gesunden Natur!? - Er bewegt sich gesund, isst und trinkt gesund! -  Und jetzt dies?

Lange suchen die Ärzte, bis sie schließlich entdecken, dass das aus der Quelle entspringende Wasser eine ganz leichte Gelbfärbung hat. - Es enthält eine giftige Chemikalie.

Wie kann das nur sein? - Der Mensch ist ärgerlich, ängstlich und ratlos. -
Er muss nun auf das eigene Wasser verzichten - und Trinkwasser von weit her heranschaffen. - Das macht zusätzliche Arbeit - und kostet auch noch dazu viel Geld.

Doch der Mensch wird trotzdem nicht wieder richtig gesund - im Gegenteil. Immer wieder packen ihn heftige Schmerz- und Krankheitswellen.

Wieder machen sich die Ärzte auf die Suche und finden Fremdstoffe und Gifte in seiner Nahrung - seinem selbst gezogenen Salat, seinen so schönen Kräutern, seinen rotbackigen Äpfeln. - Nicht zu fassen!

Jetzt muss er auch diese Nahrungsmittel von weit her holen und kaufen. -

Der Gesundheitszustand des Menschen bessert sich zwar etwas, jedoch nicht wesentlich. -

Und wieder kommen die Ärzte - und suchen nach dem "Wieso und Warum". - Schließlich finden sie heraus, dass auch die Luft belastet und ungesund ist. Sie empfehlen dem Menschen, sein Haus aufzugeben und wo anders hinzuziehen.

Nun wird es dem Menschen zu bunt.
Er beginnt Fragen zu stellen!

Wieso ist die Quelle vergiftet?
Wieso sind die Früchte ungenießbar?
Wieso ist die Luft gesundheitsschädlich?
Was ist denn eigentlich los?

Das muss doch Ursachen haben !!-?-"
 

Er sagt sich jetzt:

Ich will die Ursachen suchen,
die Wurzeln der Übel finden und beheben und
nicht mehr nur vor den Symptomen davonlaufen!

Und tatkräftig macht er sich ans Werk! - Holt auch Fachleute dazu - und forscht nach den Ursachen.

Schließlich finden sie heraus, dass alle Not und aller Schaden von der wilden Müll-Deponie auf der Wiese ausgeht, von der kaum noch was von außen zu erkennen ist. - Ein paar Eisenstücke und ein Stück von einem alten Reifen sind zu sehen, wenn man das Gras und Büsche zur Seite schiebt, wirklich genau hinschaut.

Der Rat der Fachleute:
"Es muss saniert werden! - Der ganze alte Schrott muss Stück für Stück wieder ausgegraben, ans Tageslicht geholt - und dann ordnungsgemäß entsorgt werden, so dass er keinen weiteren Schaden anrichten kann. -
Auch das ganze Erdreich in der Umgebung muss gereinigt werden. -"

Sehr viel Arbeit - verbunden mit sehr viel Aufwand an Mühe, Zeit und Geld! Doch - es muss sein!

Und so geht der Mensch jetzt daran, all den angesammelten Mist, um den er sich vorher nicht gekümmert hat, zu heben und ordnungsgemäß zu beseitigen - langsam und Stück für Stück - so, wie es ihm eben möglich ist.

Mit Ausdauer bleibt er am Werk, auch wenn es mühsam ist - und jeden Tag wieder Überwindung kostet, erneut in dem stinkenden Dreck zu stochern. - Zudem ist es anstrengend und schweißtreibend. -

Er gräbt tiefer und tiefer - und holt so nach und nach auch verborgendste Stücke und Schadens-Verursacher wieder ans Tageslicht.

Schnell merkt er, dass sich die Anstrengungen lohnen, dass es ihm von Tag zu Tag besser geht! -

Er bereinigt so nach und nach seine wilde Müll-Deponie und ist von Stund an nicht nur gesünder, sondern auch achtsam bemüht, neu anfallenden Müll sofort so zu verarbeiten und so zu entsorgen, dass er weder ihm, noch anderen Menschen, noch der Erde Schaden zufügen kann - weder jetzt, noch später!

Auch wird ihm immer mehr bewusst, wie angenehm und entlastend es ist, unnötigen Müll zu vermeiden.

So, wie dieser Mensch seine Müll-Deponie achtlos und sorglos angelegt hat, so hat auch ‘jeder’ Mensch in seinem Körper eine Wilde Deponie von Spannungen und Verspannungen angelegt.
Manche Spannungen spüren wir - und können sie bewusst auch noch beeinflussen (z.B. Stirne, Mund, Schultern, Becken, Po).
Doch die meisten Spannungen sind hineingesunken und hineingewandert in die gesamte Muskulatur, fein verteilt auf den ganzen Körper, kaum im Einzelnen noch wahrnehmbar.

Das Teuflische ist: Viele dieser An-Spannungen können wir nicht mehr so ohne weiteres los-lassen, auch wenn wir das gerne täten.

Doch - das Schöne und Hoffnungsvolle ist:
Wir können und dürfen lernen, bewusster und immer mehr,

  • ‘die’ Spannungen los-zu-lassen, die jetzt gerade entbehrlich sind und

  • sinnlose und jetzt in dieser Form unnötige Spannungen ein-zu-sparen, sie zu vermeiden, sie weg-zu-lassen.

Auch können wir ganz viel dafür tun, dass die wilden und versteckten Spannungen wieder abfließen: Wir können sie überlisten, ihnen innerlich sozusagen eine geölte Rutschbahn anbieten, auf der sie sich dann nicht mehr festkrallen können - dadurch, dass wir lernen,

  • ständig und immer mehr den Körper in all seinen Teilen mit Aufmerksamkeit und wacher Wahrnehmung für das, was da im einzelnen gerade geschieht, zu bewegen - und

  • die eigenen Gedanken bewusst zu lenken, ihnen die eigene Richtung nach vorne (auf das eigene Ziel zu!) zu geben.

  • Indem wir auch lernen, wieder zu verweilen!

Zum Beispiel mit:

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mehr Aufmerksamkeit für das Jetzt,
Bewegung in Balance   (z.B. Meditativem Gehen/Laufen),
Meditation,
SELBST-gestaltenden Visionen (kraftvollen und lockenden
  Ziel-'Vorstellungen' / so bin ICH, wenn ICH in MEINEM Ziel
  angekommen bin / Ziel-Sätze),
ständigem Dazu-lernen,
wachsendem Sich-weiter-entwickeln,
freudevollem Tanzen (mit der eigenen Beweglichkeit nach Musik spielen),
Lachen von Herzen
usw. - usw.!

 

Das bedeutet natürlich

ständige Achtsamkeit und ständige Anstrengung (Überwindung)
und gleichzeitig auch
immer mehr Wohl-
fühlen und Freude spüren!

Spannung und Ent-spannung,
Bewußt-sein und Aufmerksamkeit,
lebendige Verbindung nach Außen und nach Innen! "

 

                                          Andreas Pascher

Nun schob sie ihren Stuhl schwungvoll zurück, diese rätselhafte Alte.
In ihrem Runzel-Gesicht funkelten lachend ihre Augen!
Sie nickte leicht mit dem Kopf, drehte sich um und ging.

 

 

" WILDE BLUMEN !

Ja, ja - - - - - ! "

    

    

vorgestellt ab 20.11.13-20.01.14 (08):   +   ALLTAG / Newsletter Nr.95 v.21.09.08      Spannungen, Verspannungen, Schmerzen in den Schultern, im Kreuz oder auch an anderen Stellen im Körper, oder auch keine spürbaren Beschwerden mehr, dann ist die entsprechende Muskulatur erstarrt, ist zwar dann nicht mehr beweglich, tut dann aber auch nicht mehr weh: Spannungen - wir sind ihnen nicht hilflos ausgeliefert! Schmerzbekämpfung ist nur Symptombehandlung. Bewusster und beweglicher werden verlangt sowohl die eigene Entscheidung, als auch das ständige eigene Tun. Das hilft!
                            ***Tu nichts, was nicht Spiel ist.  Marshall Rosenberg***

vorgestellt: 01.-31.12.05   (Jahreswechsel - Weihnachten - Neues Jahr  /  Könnte es sein, dass Wilde Blumen eine Anregung geben kann? Für das Neue Jahr? Was wohl?)
 

siehe auch:    ALLTAG / Meditatives Gehen/Laufen (sich genauer spüren + wichtig nehmen + ... lernen)    
                     ALLTAG / Der Zauberbogen (Grundentspannung!)  

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                     MOSAIK / Wege 

                     Roter Faden4,8(1-8) 

 

 

 

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